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Eberbacher - Die abwesenden Deutschen

(csh) 150 Zuhörer hatten sich am Freitagabend im Kleinen Saal der Stadthalle zu einem
Vortrag im Rahmen der Kommunalen Kriminalprävention eingefunden.
Kriminaloberrat Peter Bauer von der Akademie der Polizei Baden-Württemberg,
referierte auf Einladung des CDU-Stadtverbandes zu dem Thema "Spätaussiedler -
Die fremden Deutschen", ein Titel, den er sich vielleicht noch einmal überlegen
sollte. Obwohl absichtlich provokativ gemeint, geht er doch daneben und führt
entweder zu zu ständigem Erklärungsbedarf oder zur Bestätigung von Vorurteilen.
Das Ziel dieses Abends sollte ein besseres Verständnis der Bevölkerung für die
Geschichte, Hintergründe und aktuelle Situation der Spätaussiedler sein. Doch 130
der Anwesenden waren selber Spätaussiedler und von den verbleibenden 20
"sonstigen" Deutschen (gezählt nicht geschätzt) waren mindestens 10 "dienstlich"
dabei, sodaß nicht mehr allzuviel "Bevölkerung" übrigblieb. So referierte
Kriminaloberrat Bauer vor einem Publikum, das die Geschichte der Rußlanddeutschen
in- und auswendig kennt, weil die eigenen Familien Teil dieser Geschichte waren
und sind.
Für alle anderen gab es viele Fakten und Zahlen zur historischen Entwicklung:
angefangen bei der Besiedelung unter Katharina der Großen bis zur millionenfachen
Deportation und Zwangslagereinweisung der deutschstämmigen Bevölkerung nach 1941,
vorwiegend nach Kasachstan und Sibirien.
Erst 1989, nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes, kam es zu massenhafter
Aussiedlung, vorher waren Ausreisen kaum möglich. In den Jahren 1980 bis 1994
kamen allein aus der ehemaligen UdSSR eine Million deutscher Aussiedler in die
Bundesrepublik. Seitdem fallen die Einreisezahlen und es leben dort noch etwa
vier Millionen Deutschstämmige, die gar nicht ausreisen wollen.
Nach 1941 war die deutsche Sprache und die deutsche Kultur absolut verboten.
Schulische Ausbildung erfolgte in Russisch oder einer anderen Sprache, jedenfalls
nicht in Deutsch. Das erklärt, warum wir heute viele Aussiedler haben, die kein
Deutsch können und keine deutsche Kultur kennen. Dies trifft vor allem auf die
jüngeren Spätaussiedler aus Kasachstan und Sibirien zu. Noch dazu sind 40% von
ihnen mit einem Ehepartner andere Nationalität verheiratet.
Die Motivation Deutsch zu lernen oder die Sprachkenntnisse zu verbessern, ist bei
Aussiedlern im Allgemeinen groß, so Bauer. Für ihre Integration ist es unbedingt
erforderlich, eine intensive Sprachschulung zu erhalten. Dabei wurden die
Sprachkurse seit 1994 von zunächst 18 Monaten auf 6 Monate verkürzt. Wie die
Bundesanstalt für Arbeit ermittelte, belegen 80% der Aussiedler zunächst einen
Deutsch-Sprachkurs und etwa 80% der männlichen Aussiedler sind nach zwei Jahren
beruflich integriert.
Die Aufnahmebereitschaft für Aussiedler ist jedoch in der Bevölkerung gesunken,
seit sich die ökonomischen Rahmenbedingungen in Deutschland verschlechtert haben.
Viele betrachten Aussiedler als Menschen, die sich am sozialen Netz der
Bundesrepublik bereichern wollen und den Arbeitnehmern die Arbeitsplätze und den
Rentnern die Renten wegnehmen. Die weit überwiegende Zahl der Aussiedler gibt
jedoch als Ausreisegrund nationale und religiöse Diskriminierung an. Vor allem in
Kasachstan hat der Verdrängungsdruck auf ethnische Minderheiten zugenommen,
seitdem eine Rückkehr zur kulturellen, sprachlichen und islamischen Identität
Kasachstans stattgefunden hat.
Bei den an den Vortrag anschließenden Wortmeldungen, wurde sehr schnell deutlich,
daß ein entscheidendes Problemfeld die deutsche Sprache ist. Hier sagte
Bürgermeister Bernhard Martin jede mögliche Unterstützung für Projekte zu und bat
um direkte Kontaktaufnahme mit dem Bürgermeisteramt. Deutlich wurde auch das
Empfinden vieler Aussiedler, als unerwünschter Ausländer angesehen zu werden,
obwohl man sich selbst als Deutscher fühlt. Wortmeldungen kamen vor allem von
Erwachsenen und älteren Spätaussiedlern, wie auch das Publikum insgesamt
jugendliche Spätaussiedler vermissen ließ - gerade die Gruppe also, die sich mit
der Integration schwer tut, insbesonders die "mitgenommenen" und jetzt eigentlich
heimatlosen Jugendlichen, die sich als Außenseiter fühlen. Aber ehrlich gesagt -
was hätten sie von diesem Abend mitnehmen können?
Auf die Frage aus dem Publikum, ob Bauer sich vorstellen könne, warum die
Mehrzahl der Deutschen zugegebenermaßen nichts über die Geschichte und die
aktuelle Situation der Spätaussiedler wisse, antwortete dieser "weil es sie nicht
interessiert hat" - und daran hat sich nichts geändert!

01.10.00

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