Sonntag, 18. April 2021

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Geschäftsinhaber fühlen sich von der Politik im Stich gelassen


V.l. Bürgermeister Peter Reichert und Stadtwerkeleiter Günter Haag im Gespräch mit Susanne Reinig und Dietrich Müller. (Fotos: Claudia Richter)

(cr) Unter dem bundesweiten Motto “Wir gehen mit__voran” machten heute in Eberbach Einzelhändler mit einer Plakataktion auf ihre Notlage wegen der Anti-Corona-Maßnahmen aufmerksam.

Die Geschäfte in der Innenstadt litten schon seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 unter Umsatzeinbußen, und spätestens seit Mitte Dezember geht fast gar nichts mehr. Denn im Gegensatz zu Supermärkten und Discountern wurde von den politischen Entscheidern ausgerechnet in den Einzelhandelsgeschäften trotz Kundenbegrenzung und Hygienekonzepten offenbar ein so hohes Infektionsrisiko gesehen, dass diese im winterlichen Lockdown komplett schließen mussten. Mittlerweile sind zwar wieder Abholeinkäufe erlaubt, die in Eberbach beispielsweise als “Windowshopping” angeboten werden. Aber diese bringen nur einen Bruchteil des üblicherweise erzielten Umsatzes in die Ladenkassen.
Für viele Händler ist das “verordnete Berufsverbot” inzwischen existenzbedrohend. Wenn nicht bald die Geschäfte wieder geöffnet werden können, könnten viele für immer geschlossen bleiben, befürchten Dietrich Müller und Susanne Reinig von der Eberbacher Werbegemeinschaft (EWG), die mit zahlreichen im Eberbacher Einzelhandel Beschäftigten heute bei der Plakataktion präsent waren.
Müller hat neben den reinen Umsatzeinbußen mit seinem Modehaus noch ein weiteres Problem: Er bleibt auf einem großen Teil der Winterware sitzen, die nicht verkauft werden konnte und muss demnächst bestellte Frühjahrsware vorfinanzieren.

Die Geschäftsinhaber fühlen sich inzwischen von der Politik im Stich gelassen, zumal von den versprochenen Finanzhilfen bisher kaum etwas in Eberbach angekommen sei und die Antragstellungen alles andere als unbürokratisch seien. Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit angesichts der prekären Lage waren den Geschäftsleuten und Mitarbeitenden heute deutlich anzumerken.
Bürgermeister Peter Reichert suchte zusammen mit städtischen Amtsleitern das Gespräch mit den Betroffenen, erklärte sich solidarisch und versprach, bei den Landtagsabgeordneten auf die Situation in Eberbach hinzuweisen. Auch Dietrich Müller sagte, dass er bereits Gespräche mit Parteienvertretern geführt habe.

In den seit Dezember geschlossenen Einzelhandelsgeschäften in Eberbach geht es um rund 200 Arbeitsplätze. Viele Stammkunden zeigen sich solidarisch mit den Ladenbesitzern, denn sie wollen die Geschäfte in der Innenstadt nicht verlieren. Unter ihnen war heute auch Altstadträtin Christa Wernz. Sie, die im Gemeinderat viele Jahre lang Entscheidungen für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger getroffen hat, will auch zukünftig in Eberbach einkaufen und hofft deshalb auf schnelle Hilfe für den Eberbacher Einzelhandel.

Auf schnelle Hilfe seitens der Politik hoffen auch die EWG-Mitglieder, vor allem auf angemessene Entschädigungen und zeitnahe Öffnungsperspektiven. ”Die Hütte brennt”, so Müller. Er befürchtet, dass ein weiterer Lockdown nach Ende Februar für einige Geschäfte in Eberbach nicht mehr zu stemmen sein könnte.

01.02.21

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