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Nachrichten > Kultur und Bildung

In der Michaelskirche erklang die 1. Kantate aus Bachs Weihnachtsoratorium

(hr) (khm) Wer die originĂ€re Art einer KantatenauffĂŒhrung aus J. S. Bachs Weihnachtsoratorium einmal erleben wollte, konnte das - wie traditionell alljĂ€hrlich in Eberbach am zweiten Weihnachtsfeiertag - mit einer der sechs Kantaten im Gottesdienst am 26. Dezember in der Eberbacher Michaelskirche.

AusfĂŒhrende waren die Evangelische Kantorei, die Kurpfalzphilharmonie Heidelberg, Caroline Bauer (Alt), Jun Won Lee (Tenor), Lorenz Miehlich (Bass), Arne MĂŒller (Solo-Violine) und Bezirkskantor Andreas Fauß (Leitung und Orgel).

Über die Auswahl aus dieser populĂ€rsten und melodiereichsten Bachschen Kirchenmusik fĂŒr sechs Feiertag(sgottesdienst)e von Weihnachten bis zum Dreikönigsfest, also "die heilige Weyhnacht ĂŒber" (Bach), wird wohl je nach Situation entschieden. Hier war aus der eigentlichen Weihnachtsgeschichte (Kantaten I-III, Geburt Jesu, seine VerkĂŒndigung an die Hirten, deren Gang nach Bethlehem), die beliebte erste Kantate gewĂ€hlt. Ihre jubelnde Einleitungsmusik dĂŒrfte die fröhliche und zuversichtliche Weihnachtsstimmung auch angemessen ausdrĂŒcken - nach dem Hören der besinnlich einstimmenden und eindrucksvollen KlĂ€nge zum Eingang aus dem meditativen "Pastorale" von Josef Rheinbergers "Sechs StĂŒcke fĂŒr Violine und Orgel" op. 150,2 in der AusfĂŒhrung durch Arne MĂŒller und Andreas Fauß.

Dann wurde spĂŒr- und hörbar die frische Festlichkeit des dreiteiligen Eingangchores zur Kantate "Jauchzet! Frohlocket! Auf! Preiset die Tage!" vorgefĂŒhrt. Ein Chor ĂŒbrigens, der mit dem musikprogrammatischen "Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten! Klingende Saiten, erfĂŒllet die Luft!" schon als GlĂŒckwunchkantate Bachs (BWV 214,1 von 1733) zum Geburtstag der Frau des sĂ€chsischen KurfĂŒrsten Friedrich August II. und zugleich polnischen Königs gedient hatte. Maria Josepha (1699-1757) war als Tochter Kaiser Josephs I. (1705-11) einmal eine der besten fĂŒrstlichen Heiratspartien gewesen als denkbare habsburgische Erbin. Das Erbe trat aber dann Josephs Bruder, der spĂ€tere Kaiser Karl VI. (und Vater Maria Theresias) an. Auf Maria Josephas Betreiben wurde auch die große Dresdner katholische Hofkirche erbaut. Dieses ehrenhaften Kompositionsauftrags erwies sich Bach so wĂŒrdig, dass die Wiederverwendung dieser Musik im Einleitungschor seiner ersten Weihnachtskantate erst richtig ihre bleibende QualitĂ€t zeigte. Im Orchestervorspiel gab es prunkvolle PaukenschlĂ€ge im Solo, helle Flöten- und Oboentriller sowie brillante Streicherskalen (TonleiterlĂ€ufe), dazu schmetternde Trompetenwucht, die vom Dirigenten Fauß mit den anspruchsvollen und hörbar gut einstudierten Chorpartien verbunden wurden. Zwischen den wuchtigen Eckteilen des Chores stand ein Mittelteil mit selbstĂ€ndiger Thematik, der sich gut absetzte durch ruhigeren Verlauf und dynamisches ZurĂŒcknehmen. In dieser Kunst der dynamischen Differenzierung könnte ein begeistert singender Chor durchaus sich noch steigern.

Pfarrer Gero Albert stellte in seiner Festtagspredigt und guter Werkanalyse in der Kantatenmitte auch das Gliederungsschema von Bachkantaten plastisch vor, das sich hier gleich zweimal wiederholte, d. h. die Abschnitte “Evangelistenworte - freies Rezitativ - Arie - Choral” entsprechen etwa dem "rechten Bibellesen" mit den Abschnitten “Lesung - Betrachtung - Gebet”, die bei Bach mit einem Amen der Gemeinde (Choral) abgeschlossen wĂŒrden (Alfred DĂŒrr).

In diesem ersten Teilabschnitt interessierte dann vornehmlich die stimmungsvoll von Caroline Bauer gesungene Altarie "Bereite dich Zion" mit kleiner besetzter Begleitung und fĂŒhrender Violin-Oboen- Mitwirkung. Die Arie handelt von der richtigen Erwartung des kommenden Heilands, wobei "die Musik an Schönhit dadurch nichts verliere, daß sie ursprĂŒnglich fĂŒr einen anderen Text geschrieben sei" (Ph. Spitta), nĂ€mlich der weltlichen Bach-Kantate "Hercules am Scheideweg zwischen Tugend und Laster" (BWV 213, 9). Von evangelischen Kirchenliedern ließ Bach einige - wohl der Einbeziehung der Gemeinde wegen - in Kantaten singen, "in schlicht vierstimmigem, leicht polyphon gelockertem, ĂŒberwiegend akkordischem Chorsatz und colla parte (notenparallel) gefĂŒhrten Instrumenten" (A. DĂŒrr), nicht ohne orchestrale EinschĂŒbe. Die beiden ChorĂ€le dieser Kantate wirkten auch hier wie wahre klangliche Ruhepunkte, von den Choristen gut und ausdrucksvoll gesungen. Dabei war der Adventschoral "Wie soll ich dich empfangen", der nach der Melodie des Passionsliedes von Paul Gerhardt "O Haupt voll Blut und Wunden" (MatthĂ€uspassion von 1729) gesungen wird mit einer Melodie identisch, die ihrerseits auf dem Liebeslied von Hans Leo Haßler (um 1600) "Mein GÂŽmĂŒth ist mir verwirret, das macht ein Jungfrau zart" beruhte. Sollten die Zuhörer von 1734 und heute Passionsgedanken schon in Jesu Geburtsmoment empfinden? Ein unbefangenes Hören ist seit dem weiten Bekanntsein der MatthĂ€us-Passion wohl nicht mehr möglich, obwohl es begrĂŒndete Ablehnung einer auf die Passion Jesu bezĂŒglichen Anspielung Bachs gibt (A. DĂŒrr). Der Adventschoral könnte aber doch doppelbödig wirken, als sei die Freude ĂŒber Jesu Menschwerdung schon von der Trauer um seinen Opfertod umschattet, als gebe es hier eine "BrĂŒcke Weihnacht zur Passion" (M. Walter).

Im zweiten Viererabschnitt-Teil der Kantate - nach Unterbrechung durch die Festtagspredigt und nach der kurzen Evangelistenlesung - hörte man den von Bassrezitativen kommentierend unterbrochenen, von Chorsopranen allein gesungenen “Choral” auf den Luthertext "Er ist auf Erden kommen arm". Er gehört in seiner Anlage wohl zu den schönsten Eingebungen Bachs. Hier bildete zu dem hellen Stimmklang die sonore Stimme des Bassisten Lorenz Miehlich den kraftvollen Kontrast.
Die freudige, von Trompetenklang ĂŒberglĂ€nzte Bassarie "Großer Herr, o starker König, liebster Heiland" mit spannungsgeladenen Synkopen und Dreiklangsthematik, ebenfalls vom Bassisten stolz und kraftvoll gesungen, ragte auch durch das virtuose Spiel der Trompete hervor mit dem Ergebnis eines grandiosen Arienbeispiels. Es gibt die Frage, wie sich der triumphale instrumentale Klang der Arie zum Text verhalte, der von Jesu Schlafen "in harten Krippen" spricht. Etwas von diesem Kontrast wird schon dadurch bedingt sein, dass auch diese Arienmelodie aus der genannten GlĂŒckwunschkantate (BWV 214,7) stammt und Bach wohl eine "musikalische Nachzeichnung des Textes" (A. DĂŒrr) nicht fĂŒr wichtig hielt.
War der erste Choral "Wie soll ich dich empfangen" noch schlicht vierstimmig mit colla parte gefĂŒhrten Instrumenten, so war der Schlusschoral auf die lutherische Weihnachtsmelodie "Vom Himmel her da komm ich her", die textlich ja auch Jesu Geburt feiert, reicher ausgestattet (mit Streichern, HolzblĂ€sern, Trompeten, Pauken) Dem Jesuskind wird herzliche Liebe beteuert, wĂ€hrend festliche TrompetenklĂ€nge die Himmelskönigin feiern. Es war ein außergewöhnliches Klangfest.

Dass viel Beifall die AusfĂŒhrenden, SĂ€nger, Solisten und den Dirigenten herzlich und begeistert feierte, war wohl selbstverstĂ€ndlich. Zum Dank gab es noch den verkĂŒrzten Anfangschor, der die Erlösungsfreude so deutlich ausdrĂŒckte. Hatten Bachs Zeitgenossen die Kantaten einst gedacht als PredigtergĂ€nzung in Tönen zu den damaligen, nunmehr vergessenen Kanzelpredigten, so haben diese Kantaten sich weit wirkmĂ€chtiger erwiesen als jene, denn “sie sprechen direkt zu den Sinnen“ und “erreichen bis heute immer noch die Ohren aller“ (Eleonore. BĂŒning, FAZ 15.12.2007, S. 38).

Nicht unerwĂ€hnt sollte bleiben, dass im Rahmen der gottesdienstlichen Schlussliturgie wegen ihrer Verdienste fĂŒr die Kirchengemeinde als langjĂ€hrige Beraterin, Lektorin. KirchengemeinderĂ€tin und Bezirkssynodenvorsitzende Dr. Barbara Scheuble von Pfarrer Gero Albert in einer gereimten Rede dankend geehrt und mit Bedauern verabschiedet wurde.

27.12.22

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