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Nachrichten > Kultur und Bildung

Drei beeindruckende Klavierwerke

(hr) (khm) Am Freitag, 27. Februar, gastierte ab 20 Uhr das 2019 gegründete, schon international gefeierte “Avin Trio” mit Saskia Niehl (Violine), Michael Schmitz (Violoncello) und Josefa Schmidt (Klavier) auf Einladung der Kunstfreunde Eberbach im Evang. Gemeindehaus am Leopoldsplatz.

Dargeboten wurden das Klaviertrio von Rebecca Clarke (1921), Ludwig van Beethovens Klaviertrio Op. 70,1 (Geister-Trio). von Johannes Brahms das Klaviertrio Nr. 2 (C-Dur Op. 87).

Ludwig van Beethovens Klaviertrio D-Dur op. 70/1 von 1808 mit 26 Minuten Dauer, “Geistertrio” genannt, ist das fünfte seiner sechs groĂźen Klaviertrios und hat schon immer Neugierde wegen seines berühmten Beinamens erregt. In ihm rahmen recht schnelle Ecksätze einen in extremem Gegensatz zu ihnen stehenden sehr langsamen Mittelsatz "Largo assai ed espressivo - recht breit und ausdrucksvoll" ein. Der Beiname stammt nicht von Beethoven. Er ist dem Trio einmal angehängt worden und seither geblieben. Dabei Ist das vorstellbare “geisterhafte” wohl nur auf den dafür gerühmten Mittelsatz zu beziehen. Diesen ersten Satz "Allegro vivace e con brio" musizierte das Ensemble der Charakterisierung nach ganz so, wie ihn schon 1812 ein berühmter Rezensent, der Dichter, Schriftsteller und selbst Komponist E.T.A. Hoffmann (1776 -1822) als ein "geniales Prachtstück" mit einprägsamer Thematik, vorwärts treibendem rhythmischem Schwung und auch lyrischer Entspannung beschrieb, was auch als Ziel des in Eberbach musizierenden Ensembles deutlich wurde. Im Mittelsatz, dem sehr langen "Geisterstück - Largo assai ed espressivo" musste der Pianist Einiges leisten, z.B. musste er mit reichlich Tremolo (Klangeffekt durch schnelle Ton- und Akkordwiederholunqen hier mit 48 Viersechzigstelnoten im 2/4Takt) hantieren, um Harfenklänge zu erzeugen (Hoffmann) oder um einen "leise murmelnden Bassklang" zu bewirken (Carl Czerny), was alles den gewünschten Klangcharakter dessen herstellen sollte, was als Geisterklang empfunden werden konnte. Da Beethoven in der Uraufführung selber der Klaviersolist war, konnte man sich auch eine Vorstellung von seinen pianistischen Fähigkeiten machen.
Allein dieser langsame Mittelsatz (Largo ed espressivo, d-Moll) ist bei aller Vorsicht gegenüber programmatischen oder poetisierenden Beinamen hier im Charakter nicht unpassend beschrieben "Der Charakter dieses, sehr langsam vorzutragenden Largo ist geisterhaft schauerlich gleich einer Erscheinung aus der Unterwelt. Nicht unpassend könnte man sich dabei die erste Erscheinung des Geist´s im Hamlet denken”. Diese Bemerkung Czernys könnte vielleicht sogar der Ausgangspunkt für den Beinamen "Geister-Trio" sein.
Zur Geschichte des Beinamens liest man in dem amüsanten Buch "Auf den Flügeln des Gesangs. Ein musikalischer Büchmann" von Kurt Fröhlich (Leipzig 1920, gemeint ist der Musikkritiker Max Steinitzer), dass man das Trio einzig des langsamen Satzes wegen "Geister- oder Fledermaus-Trio" nennen könne, da in diesem langsamen Satz "die zahlreichen Pianissimo-Stellen etwas unheimlich gespensterhaftes haben. aber das Düstere, Geisterhafte, Gespenstische als Programm für das ganze Werk anzunehmen, indes nicht zutrifft". Gerade das "Geister-Trio" - besonders in den Rahmensätzen mit ihrem deutlich virtuosen Zug - wird für "weniger düster als manche andere instrumentale Komposition Beethovens" gehalten.
Den von der abgründigen Stimmung des Geister-Largos abgelösten finalen Prestosatz boten die Musiker in Rondo-Version, indem das einprägsame energische Hauptthema und das lieblichere immer wieder den Satz gliedernd hervorleuchteten, um in "Zwischenspielen" virtuosem Spiel Platz zu geben. Carl Czerny, bedeutender Klavierpädagoge, der noch Beethovens Schüler (um 1800) war, hat den Satz so charakterisiert: "Sehr schnell. leicht, brillant heiter und humoristisch. was wohl auch für das Trio hier ein gutes Rezept war”.

Rebecca Helferich Clarke (*1886 in England - + 1979 New York) war eine englisch-amerikanische Musikerin und Komponistin eigentlich deutscher Herkunft, wie ihr vollständiger Name zeigt. Ihr Vater war Amerikaner, ihre Mutter Münchnerin und Tochter eines Professors, zu dessen Verwandtschaft der Historiker Leopold von Ranke gehörte. Sie wuchs zweisprachig auf und, musikalisch wie sie war, erhielt sie Musik- und Kompositionsunterricht - in ihrer Klasse als einzige Frau. Sie war dann eine gesuchte Konzertbratschistin und auch sehr produktive Komponistin. Von ihren fast 100 Kompositionen wurden nur etwa 20 zur ihrer langen Lebenszeit veröffentlicht, und nur bei zehn Kompositionen - Liedern und Kammermusiken - gibt es nachweisbar Uraufführungen. Vielleicht waren es auch mehr, zumal sie meist für ihre eigenen Konzerte komponierte, und das auch noch unter einem Pseudonym. Auch von zeittypischen Vorfällen berichtet sie. Bei einem Konzert mit Preisgewinn für sie sei das Gerücht aufgekommen, dass jemand anderes, vermutlich männliches, das Stück geschrieben habe, es könne gar nicht sein, dass sie selbst es sei.
Das Ensemble betonte in seinen Erläuterungen auch besonders diesen Programmteil, das Thema Frauen in der Musik. In Eberbach war ihr Klaviertrio / Piano Trio (1921) in der Mitte des Konzerts zu hören mit den drei Sätzen: “Moderato ma appassionato”, “Andante molto semplice” und “Allegro vigoroso”. Das offenbar lange Zeit unbeachtete oder verschollene "Trio (21)" gilt als außerordentlich originell, aber auch als dem Einfluss von Ravel und Debussy und ihrer impressionistischen Atmosphäre verpflichtet.
Der erste Satz “Moderato ma appassionato” begann mit einem etwas dissonanten Thema, einer Reihe von Akkorden, die wie Glockenschläge wirkten. Sie erschienen auch in den anderen Sätzen, was dem Trio eine Art zyklischer Form verlieh. Auch ein genehmes lyrisches Thema erklang, sodass der Satz zwischen zwei Klangbereichen sich klangvoll bewegte.
Der zweite Satz “Andante molto semplice (misterioso)” streckte seine gewundenen und genehmeren Melodielinien, als sie es im ersten Satz sind, weiter aus über den begleitenden Klavierfigurationen, alles wie eine Art von Erinnerung an den ersten Satz. Auch ein zweites lyrisches Thema zeigte sich vorsichtig wieder.
Der dritte Satz “Allegro vigoroso” brachte ein neues kraftvolles Motiv ins Spiel. Eine Serie von mit dem Bogen gestrichenen (arco) Achteln und Vierteln und eine Serie von gezupften (pizzicato) Vierteln und Achteln bestimmten das Thema, und das auch in Akkordform. Es war eine kesse, hastende Thematik entstanden, so richtig geeignet für Musiker, die einen Kehraussatz zu spielen hatten. Zwischen den Wiederholungen dieser energischen Thematik konnte man wieder die zwei vorgängigen Themen von Satz I und II vernehmen und vielleicht an die zyklische Form des Trios erinnert sein.

Nach der Pause folgte Johannes Brahms´ (1833-97) unverwüstliches zweites Klaviertrio C-Dur op. 87 (1882). Es hat auch 2026 fast 120 Jahre nach dem Tod des Komponisten nichts an Frische, Liebreiz, Kraft, Würde und geheimnisvollem Zauber verloren.
Das C-Dur-Klaviertrio wurde 1880 in Bad Ischl begonnen, nach einer Unterbrechung im Juni 1882 dort wieder aufgenommen und vollendet. Wie Theodor Billroth, Brahms´ musikalischer Freund und auch bekannter Chirurg seiner Zeit, noch zu berichten weiĂź, entstand es gleichzeitig mit einem Trio in Es, das über einen ersten Satz nicht hinaus gedieh und vom Komponisten in bekannt strenger Selbstkritik vernichtet wurde. Billroth schreibt am 20. Juni 1880 nach dem Kennenlernen der Noten: "Ich habe selten von deinen Manuskripten den Eindruck eines so mühelosen Schaffens gehabt wie von diesen Sätzen. Sie sind nach Form und Inhalt im besten Sinne des Wortes klassisch- populäre Kammermusik. Die Wege müssen in Ischl besonders eben und gut sein, da der Schritt nirgendswo gehemmt ist. Auch vom Regen merkt man nichts, der sonst im Salzkammergut wohl auch verdrieĂźlich machen kann. Lass es nur so flott und frisch fortgehen”. Das fertige Werk bekam Clara Schumann Ende Juli zugesandt. Im. August antwortete sie aus Gastein: "Das war ja eine rechte musikalische Erquickung, solch ein Trio! Hätte ich nur gleich die Instrumente dabei gehabt, denn vieles konnte ich ja doch nur ahnen, noch dazu habe ich ein erbärmliches Pianino! Welch prachtvolles Werk ist das wieder! Wie vieles entzückt mich darin, und wie sehnsüchtig bin ich, es ordentlich zu hören. Jeder Satz ist mir lieb, wie herrlich die Durchführung, wie blättert sich da immer ein Motiv aus dem anderen, eine Figur aus der anderen! Wie reizend ist das Scherzo, dann das Andante mit dem anmutigen Thema, das eigentümlich klingen muss in der Lage der doppelten Oktaven, ganz volkstümlich! Wie frisch ist der letzte Satz und so interessant in seinen kunstvollen Kombinationen".
Das Werk war den Musikern des Jahres 2026 sicher auch wie allgemein wegen dieser Jahre 1897 und 2026 ein erstrebenswertes Vortragswerk.
Das Allegro, der erste Satz, der "wichtigste und bedeutendste des Trios" (Max Kalbeck , Brahms-Biograph) mit dem so frappierend beherrschenden Gegensatz, von energisch majestätischer Thematik und dann wieder weich melodischem Lyrismus, wurde eindrucksvoll vorgeführt.
Die Stimmungs- und Ausdrucksstudie des “Andante con moto”, der "schönste und dankbarste Satz des Trios" (Kalbeck), in dem der Meister der Variationskunst eine einfache Liedmelodie “à l´hongroise ungarisch" samt Begleitung kunstvoll abwandelt, zeigte die Kunst des Ensembles, den einzelnen Partner hervor treten lassen zu können, ohne dass die kammermusikalische Partnerschaft darunter gelitten hätte. Das "unheimliche” Scherzo Presto / Poco meno Presto in Moll ( bei dem Kalbeck sich von Fledermausflügeln umschwirrt sah - siehe Geistertrio - wurde musikalisch zwischen geisterhaftem Spuk und behaglicher Klangwelt inszeniert, die Brahms in seiner Scherzo-Trio-Struktur sich wohl auch so gewünscht hat . Nach dem majestätischen ersten Satz, dem empfindsamen zweiten. dem geisternden dritten Satz kam dann das die Hörer heiter entlassende finale Allegro giocoso, das seiner Charakterbezeichnung entsprechend sich frisch, frei, fröhlich übermütig, heiter, lustig in der Interpretation des Trios zeigte.

Zum Schluss erklang viel verdienter, begeisterter Beifall des zahlreich gekommenen Publikums und der Dank des noch mit kleinen Geschenken bedachten Ensembles mit Brahms bekanntem Wiegenlied "Guten Abend, gut´ Nacht mit Rosen bedacht" in Klaviertriofassung und zum Mitsingen. Erfreulich war wieder die Teilnahme jüngerer Besucher, die durch Kooperation mit dem Eberbacher Hohenstaufen-Gymnasium, im vormittäglichen Workshop zuvor gerüstet, zahlreich dem Konzert beiwohnten.

03.03.26

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