Zukunftsweisender Holzbau im Güterbahnhofareal So oder ähnlich könnte es nach der Beschlussvorlage im künftigen Jugendzentrum aussehen. (Repros: Bianca Weber-Götzenberger)(bwg) Die Stadt Eberbach plant den Neubau eines Jugendzentrums im Güterbahnhofareal, direkt neben dem Kulturzentrum Depot 15/7 und einem neuen Skatepark.
Dieses Vorhaben markiert einen wichtigen Schritt zur Schaffung einer dauerhaften und attraktiven Anlaufstelle für Jugendliche in der Stadt. Die Planungen sehen ein Grundstück von 15 x 15 Metern vor, auf dem ein modernes und funktionales Jugendzentrum entstehen soll. Auf Vorschlag der SPD-Fraktion wurde beschlossen, die Ausschreibung für den Bau des Jugendzentrums auf die Holzbauvariante zu fokussieren. Der Beschluss erfolgte mit vier Gegenstimmen aus der Fraktion der Freien Wähler.
Die Jugendarbeit in Eberbach wird seit vielen Jahren durch den Träger Postillion e.V. geleistet. Nach der Schließung des alten Jugendzentrums in den Kellerräumen der Dr.-Weiss-Schule im Jahr 2025 aufgrund von Hochwasserschäden wurde die Jugendarbeit vorübergehend im "Streetwork-Konzept" fortgeführt (wir berichteten). Der Wunsch nach einer dauerhaften Lösung ist sowohl seitens der Jugendlichen als auch im Gemeinderat groß. Die neue Lage im Güterbahnhofareal, in unmittelbarer Nähe zum Kulturzentrum Depot 15/7 und einem Skatepark, soll Synergien schaffen und einen lebendigen Treffpunkt für junge Menschen etablieren. Die Verbindung von Kulturzentrum, Jugendzentrum und Skateanlage soll über eine Freianlage unterstützt werden.
Das geplante Jugendzentrum soll flexibel nutzbar sein und Räumlichkeiten mit großem Gruppenraum, einer angeschlossenen Küche, Lagermöglichkeiten sowie einem separaten Raum (Büro und/oder Besprechungszimmer) und WCs (eines davon mit separatem Zugang von außen) umfassen. Bei der Wahl der Bauweise wurden zwei Optionen verglichen: der Holzbau und der Containerbau. Obwohl die Verwaltung ursprünglich eine systemoffene Planung vorschlug, entschied sich der Gemeinderat auf Vorschlag der SPD-Fraktion für die Holzbauvariante. Vorteil soll ein individuell planbarer Grundriss, nachhaltige Bauweise mit geringem CO2-Abdruck und guter Recyclingfähigkeit, positive Wirkung auf Raumluftqualität, hohe baukulturelle Wertigkeit sowie eine erwartete Lebensdauer von 40 bis 80 Jahren darstellen . Der Holzbau kann im Vergleich zum Containerbau in Anbetracht der voraussichtlichen Nutzungsdauer günstiger sein, mehr Flexibilität in der Raumplanung ermöglichen und ein Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung darstellen. Nachteile liegen in der längeren Bauzeit und höheren Baukosten (etwa 430.000 Euro für die Baukosten, Gesamtkosten rund 530.000 Euro). Der Containerbau wurde aufgrund seiner geringeren Nachhaltigkeit, des höheren CO2-Abdrucks, der schlechteren Recyclingfähigkeit und der kürzeren Nutzungsdauer (20 bis 30 Jahre) nicht favorisiert, obwohl die initialen Kosten geringer erschienen. Die Gesamtkosten über die Lebensdauer beim Containerbau sowie durch Entsorgung und Neubeschaffung könnten deutlich höher ausfallen (etwa 705.000 Euro).
Für die Finanzierung des Neubaus sind für das Jahr 2026 Mittel in Höhe von 500.000 Euro eingestellt. Damit stehen ausreichend Mittel für die geplante Maßnahme zur Verfügung. Der Projektzeitplan sieht vor, dass nach dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats die Planung durch die Stadtverwaltung erfolgt, gefolgt von der Einreichung des Bauantrags und der Beantragung von Fördermitteln (insbesondere Leader-Fördermittel). Nach Erhalt der Baugenehmigung und der Förderzusage kann die Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen erfolgen. Die Maßnahme darf nicht begonnen werden, bevor der Zuwendungsbescheid vorliegt.
Die Diskussion im Gemeinderat zeigte eine breite Unterstützung für das Jugendzentrum, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Michael Reinig (Freie Wähler) konnte aus Kostengründen nicht zustimmen, während sein Fraktionskollege Udo Geilsdörfer die Pflichtaufgaben über freiwillige Aufgaben stellte und das Geld für Schulen am Ort als nötiger erachtete. Die CDU-Fraktion stimmte zu, nahm aber die teilweise Kritik aus der Bevölkerung zur Kenntnis, die bemängelt, dass das Jugendhaus nur wenigen Nutzern zugute käme. Die CDU räumte jedoch ein, dass bei guter Umsetzung des Konzepts auch mehr Jugendliche angezogen werden könnten. Peter Stumpf (AGL) sicherte die Zustimmung seiner Fraktion aufgrund der Langlebigkeit der Holzbauweise und der besseren Ökobilanz zu. Er betonte, dass man nicht alle freiwilligen Leistungen streichen könne und wies auf die Wichtigkeit der Jugendarbeit hin. Klaus Eiermann (SPD) bedauerte, dass immer wieder neue Diskussionen über die Notwendigkeit des Jugendzentrums geführt werden. Er hob hervor, dass es über 20 Jahre eine Übergangssituation gab und mit der zu erwartenden Leader-Unterstützung es letztendlich etwa 200.000 Euro seien, die es der Stadt Eberbach wert sein sollte. Dr. Dietmar Polzin (Freie Wähler) wollte wissen, ob das Jugendzentrum ausschließlich für Jugendliche gedacht sei oder auch durch z.B. Vereine genutzt werden könne. Bürgermeister Reichert erwiderte, dass es dafür keinen Plan B oder Belegungspläne für private Nutzung gebe. Er betonte jedoch, dass die Stadt flexibel genug sei, darauf bei Bedarf einzugehen. Vielmehr könne das Depot auf demselben Gelände synergetisch für Veranstaltungen mitbenutzt werden. Jens Müller (SPD) merkte an, dass ein Jugendhaus, ähnlich wie ein Kindergarten für Kinder oder ein Altenheim für alte Menschen, für Jugendliche vorgesehen sei. Ein Vertreter des Jugendarbeit-Trägers Postillion e.V. erklärte ergänzend, dass die den Planungen zugrunde gelegte Anzahl von 30 Jugendlichen die Basis für die tägliche durchschnittliche Nutzeranzahl bedeutet. Eine Darstellung, dass es sich grundsätzlich um eine "Grundmasse" von denselben 30 Jugendlichen handelt, sei daher nicht zutreffend. Je nach Angebot werden verschiedene Jugendliche angesprochen, unter anderem auch unterschiedlichen Alters. Natürlich könnten den Neubau gegebenenfalls auch mehr Jugendliche besuchen.
Mit dem Grundsatzbeschluss für die Planung des neuen Jugendzentrums in Holzbauweise bringt die Stadt Eberbach einen modernen und nachhaltigen Ort für ihre Jugendlichen auf den Weg, der nicht nur Raum für Freizeitaktivitäten bieten, sondern auch die Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung und zum Austausch fördern kann. Die enge Verzahnung mit dem Kulturzentrum Depot 15/7 und dem Skatepark soll dabei ein lebendiges und attraktives Umfeld garantieren.
03.03.26
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