02.12.2022

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FreiflĂ€chen werden auf Solarstromeignung geprĂŒft - Stadt Eberbach wird Oma


Auf Antrag der CDU soll die ehemalige Breitenstein-Deponie auf PV-Eignung untersucht werden (Foto: Claudia Richter)

(hr) Die Herausforderungen des Klimawandels spiegelten sich in mehreren Tagesordnungspunkten der letzten Sitzung des Eberbacher Gemeinderats am 28. Juli im Horst-Schlesinger-Saal des Rathauses wider.

Behandelt wurde ein Thema, das aufgrund eines von der CDU-Fraktion in der Sitzung am 30. Juni gestellten Minderheitenantrags auf die Tagesordnung kam: Es sollte geprĂŒft werden, ob auf der ehemaligen Bauschuttdeponie am Breitenstein (unser Bild) eine grĂ¶ĂŸere Photovoltaikanlage (PV) zur Stromerzeugung aus Sonnenlicht installiert werden könnte. Die CDU hĂ€lt die FlĂ€che aufgrund ihrer SĂŒd-Ausrichtung und der rĂ€umlichen NĂ€he zum Strom-Umspannwerk am Scheuerberg fĂŒr “bestens geeignet”. Außerdem sei FreiflĂ€chen-PV zur Erreichung der vom Gemeinderat beschlossenen KlimaneutralitĂ€t Eberbachs bis 2035 erforderlich.
BĂŒrgermeister Peter Reichert gab zu bedenken, dass PV am Breitenstein - unabhĂ€ngig von der Eignung - aufgrund des dortigen Landschaftsschutzgebiets nicht genehmigungsfĂ€hig sei, wenn von höherer Ebene keine gesetzliche Änderung komme.
AGL-Sprecher Peter Stumpf forderte die Beauftragung eines FachbĂŒros zur Erstellung eines Plans fĂŒr die PV-Nutzung auf FreiflĂ€chen auf der gesamten Eberbacher Gemarkung, nicht nur am Breitenstein. Ein von ihm entsprechend gestellter Antrag wurde bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung befĂŒrwortet. Der CDU-Antrag zur PrĂŒfung der DeponieflĂ€che wurde sogar einstimmig angenommen.

In derselben Sitzung stimmte der Gemeinderat - vorbehaltlich der Genehmigung durch die Rechtsaufsichtsbehörde - einmĂŒtig der GrĂŒndung der “Stadtwerke Eberbach Erzeugungs- und WĂ€rme (SWEE) GmbH” zu, einer Tochterfirma der Stadtwerke GmbH und damit die erste “Enkelin” der Stadt Eberbach. GeschĂ€ftsfelder der neuen GmbH sollen die regenerative Energieerzeugung und die WĂ€rmeversorgung sein. Laut dem GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Stadtwerke GmbH, GĂŒnter Haag, wolle man mit der NeugrĂŒndung verhindern, dass die Muttergesellschaft Stadtwerke in die Haftung kĂ€me, falls bei den erforderlichen Millionen-Investitionen in die Energieerzeugung etwas schief ginge.

Um die angestrebte Eberbacher KlimaneutralitĂ€t ging es auch in einem Statement von Altstadtrat Rainer Hofmeyer in der BĂŒrgerfragestunde zu Beginn der Sitzung: Dem “Klimabericht” der privaten Eberbacher Klimainitiative (wir berichteten habe er entnommen, dass bis 2035 alle Erdgas- und Ölheizungen in Eberbach gegen WĂ€rmepumpen, NahwĂ€rme oder Biomasseheizungen ausgetauscht werden mĂŒssen. Das wĂŒrde die privaten EigentĂŒmer nach seiner SchĂ€tzung zwischen 250 und 500 Millionen Euro kosten. Hofmeyer fragte, ob BĂŒrgermeister und Gemeinderat diese Vorgaben der Klimainitiative Eberbach mittragen und ob die Stadt notfalls auch die Kosten des Austauschs der Heizungen ĂŒbernimmt, wenn sie von den Hausbesitzern nicht getragen werden können. BĂŒrgermeister Peter Reichert antwortete, dass man seitens der Stadt alle Anstrengungen unternehme, den Ratsbeschluss zur KlimaneutralitĂ€t umzusetzen, man könne aber keine PrivateigentĂŒmer dazu verpflichten, und die Stadt könnte auch die Kosten fĂŒr die UmrĂŒstungen privater Heizungen nicht ĂŒbernehmen.
Auf Missfallen bei einigen Ratsmitglieder stieß, dass Hofmeyer die Fragestunde auch zu persönlicher Polemik gegen den MitbegrĂŒnder und Hauptvertreter der Klimainitiative, Stefan Klein, nutzte. Dieser arbeite laut Hofmeyer nĂ€mlich “eher an seiner Selbstverwirklichung”. Insbesondere Stadtrat Peter Stumpf beklagte sich darĂŒber, dass der BĂŒrgermeister solche Äußerungen in der Fragestunde zulasse.
Auch Stefan Klein meldete sich zu Wort, blieb gegenĂŒber Hofmeyer aber gelassen. Er erkundigte sich nach dem Umsetzungsstand von PV auf stĂ€dtischen GebĂ€uden. Seit dem Grundsatzbeschluss vor ĂŒber zwei Jahren sei noch nichts passiert. Auch auf seine Nachfragen im Januar und noch einmal im Mai dieses Jahres sei noch kein Konzept in Sicht. Stadtwerke-Chef GĂŒnter Haag versprach, dass das Konzept im September dieses Jahres vorgestellt werde mit Objekten wie dem Hohenstaufen-Gymnasium, der Dr.-Weiss-Schule und der KlĂ€ranlage.

07.08.22

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