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Ich getraue mich ins Leben vorzudringen


Martin Walter nahm strahlend den Blumenstrauß und eine druckfrische Ausgabe des Buches "Ich getraue mich ins Leben vorzudringen" entgegen. (Foto: privat)

(bro) (ap) "Wenn einem etwas wehtut, dann hat man Wehmut. Dabei kann es zu einer Heulbeschwerung kommen. Wehmut kann aber auch traurig sein." So beginnt "Wehmut", einer von drei Texten, mit denen Martin Walter Preisträger eines Literaturwettbewerbes geworden ist. Gemeinsam mit seiner Mentorin Christel Schölch-Stephan und seinem Betreuer Dietmar Kühner reiste der junge Mann, der autistisch behindert ist, kürzlich zur Preisverleihung nach Hamburg, die für alle Beteiligten zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde. "Ich getraue mich ins Leben vorzudringen", war der Literaturwettbewerb für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung überschrieben, den der Verein EUCREA Deutschland gemeinsam mit den Elbe-Werkstätten in Hamburg ausgeschrieben hat. Denselben Titel trägt auch das Buch, in dem die Beiträge der 37 Preisträgerinnen und Preisträger, die aus vielen hundert Einsendungen ausgewählt worden sind, veröffentlicht werden. Neben der "Wehmut" sind darin noch zwei weitere Beiträge von Martin Walter zu finden: "Die Geschichte vom Gerhard Schröder" und "Joschka Fischer". Mit strahlenden Augen und voller Stolz nahmen die ausgewählten Autorinnen und Autoren im Literaturhaus Hamburg Blumen und eine Ausgabe des druckfrischen Buches entgegen. Die Schauspielerin Nina Petri las einfühlsam eine Auswahl von Geschichten und Gedichten vor und stellte die einzelnen Autoren mit ihren eigenen Stilen vor. In der Laudatio zollte Irene Stratenwerth, Jurymitglied und Redakteurin der Frauenzeitschrift "Brigitte", den Preisträgern Respekt für ihre Leistungen. Umrahmt wurde die Feier von den "Allstars", einer Musikgruppe beeinträchtigter Jugendlicher aus der Stiftung Alsterdorf, die mit hohem musikalischem Niveau begeisterten. Der Titel des Buches geht auf ein Zitat des Südtiroler Schriftstellers Georg Paulmichl zurück. Seine Werke und die Texte der Zeitschrift "Ohrenkuss" gaben die Anregung zu diesem ungewöhnlichen Literaturwettbewerb. Martin Walter, 1979 geboren, lebte seit seinem fünften Lebensjahr auf dem Schwarzacher Hof der Johannes-Anstalten Mosbach und ging dort auch zur Sonderschule. Heute ist der junge Mann in einer Außenwohngruppe in Neunkirchen zu Hause und geht einer Beschäftigung in den Schwarzacher Werkstätten nach. Autistische Menschen wie er haben Schwierigkeiten, all die Wahrnehmungen und Informationen, die auf sie einströmen, zu "sortieren". Dies versuchen sie auf unterschiedliche Weise zu kompensieren. Martins Denken und Handeln wird bestimmt von seinem Bedürfnis, "Ordnung" in seiner Welt herzustellen, um überhaupt mit seiner Umwelt kommunizieren zu können. Adäquate Antworten und Struktur gebende Kommunikationsangebote von Seiten seiner Bezugspersonen sind dabei von existenzieller Bedeutung. Martin hatte das Glück, in seiner Lehrerin, der Heilpädagogin Christel Schölch-Stephan, eine Mentorin zu finden, die sein schier unerschöpfliches Repertoire an Gedanken und Überlegungen zu den unterschiedlichsten Themen und Abläufen erkannte und zu steuern wusste. Die "Dichterstunde" entstand. Zunächst an der elektrischen Schreibmaschine, später am PC verfasste der heute 26-Jährige kleine Schriftstücke, in denen er Erlebtes und Gedachtes aus seiner ganz eigenen Perspektive wiedergibt. Nicht-autistischen Menschen vermitteln seine Werke neue und mitunter verblüffende Sichtweisen. Und ihre sprachliche Raffinesse macht das Lesen zu einem Genuss. Die "Dichterstunde" wollen die beiden übrigens auch nach Martins Wechsel von der Sonderschule in die Werkstatt beibehalten. Christel Schölch-Stephan hat einige Texte von Martin Walter in dem Bändchen "So geht das Leben mit dem ganzen Zeug" zusammengefasst, das mittlerweile in fünfter Auflage im Eigenverlag erschienen ist. Dank des Literaturwettbewerbs werden nun zumindest drei seiner Werke einem weitaus größeren Leserkreis zugänglich gemacht. Für die Heilpädagogin steht nach der Preisverleihung fest: "Diese Veranstaltung war ein Beweis dafür, dass ein Großteil unserer Gesellschaft sein Bild von den so genannten Behinderten ändern muss. Hier wurde deutlich, welche Potenziale in ihnen stecken", sagt sie und zitiert den Autismus-Experten Professor Dr. Georg Feuser: "Unsere Annahme über die Begrenztheit dieser Menschen charakterisiert unsere Verstehensgrenze und unseren Umgang mit ihnen. Dieses Menschenbild beraubt uns der Wahrnehmung der Vielfalt menschlicher Entwicklungs- und Seinsmöglichkeiten."

14.11.05

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