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Wenn erst einmal die Trotzphase vorbei ist

(bro) (gr) Wie wichtig die ersten zwei bis drei Jahre im Leben eines Kindes für seine weitere Entwicklung sind, darüber referierte die Kindertherapeutin Dr. Eva Rass am vergangenen Dienstag, 29. November, in Eberbach. Im Rahmen der Vortragsreihe "Familienbildung in Eberbach", die vom Jugendreferat Eberbach und dem Jugendamt Rhein-Neckar-Kreis veranstaltet wird, stellte sie im gut gefüllten Ratssaal des Rathauses die Ergebnisse der Bindungstheorie vor. Danach gibt es gerade in den frühen Jahren hochsensible Phasen der Entwicklung, bei denen das Kind auf eine bedingungslose Unterstützung der Eltern angewiesen ist. "In den allerersten Jahren braucht das Kind einen sicheren Hafen, der Schutz und Sicherheit gibt, der die Kinder bei der Verarbeitung der vielfältigen Affekte unterstützt", sagte Dr. Rass, die neben ihrer Praxis für analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Buchen auch in der Forschung tätig ist. "Das Kind sucht in den Eltern Schutz und Geborgenheit", so die Psychotherapeutin weiter, "aber auch Einfühlsamkeit, Ruhe und einen orientierungsgebenden Rahmen, innerhalb dessen es seine Fähigkeiten entwickeln kann." Nur unter diesen Umständen kann das Kind innerseelisch ausreichend stabile Fähigkeiten zur Spannungs- und Konfliktbewältigung aufbauen und ein Fundament schaffen, das bei all den zu erwartenden Belastungen im weiteren Leben Sicherheit gibt. Schon die ersten Monate sind wichtig. Werden in dieser nichtsprachlichen Phase die Signale des Kindes von der Betreuungsperson zuverlässig und feinfühlig beantwortet, entwickelt es nach Dr. Rass eine "sichere emotionale Bindung". Reagiert die Mutter aber wenig einfühlsam, zurückweisend oder gar widersprüchlich, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein unsicheres Bindungsverhalten entwickelt, das vielfältige Probleme mit sich bringt. "Dann kann es nicht nur zu psychischen Störungen, sondern auch zu Problemen im neuronalen Bereich und im Stoffwechsel kommen." Der Modus von Bindung (sichere oder unsichere Bindung), der in dieser Zeit erworben wurde, bleibt lange erhalten, manchmal ein Leben lang, das haben Bindungsforscher wie John Bowlby nachgewiesen. Auch die Anzahl der Bindungspersonen ist begrenzt. Eine stabile und sichere Bindung kann ein Kleinkind entweder mit der Mutter oder einer konstanten Pflegeperson eingehen, die sich ganz und gar auf das Kind einstellen kann. "Ein 1:1 Verhältnis ist notwendig, weil die Anpassung an die individuellen Eigenarten der Bindungspersonen ein Lernprozess ist, der den Säugling intensiv beansprucht," sagte Dr. Rass, die daher auf die möglichen Probleme einer allzu frühen außerfamiliären Betreuung der Kinder hinweist. Das Kleinkind braucht Eltern, die Zeit, innere Ruhe und Muse haben, um sich auf sein Zeitmaß und seinen je eigenen psychobiologischen Rhythmus einzulassen. Dr. Rass wies auch darauf hin, dass Säuglinge und kleine Kinder zunächst keine oder nur unzureichende Möglichkeiten besitzen, Affekte bzw. heftige Impulse und körperliche Spannungen zu regulieren und zu bewältigen: "Sie sind in ihrer Erregung auf die mütterliche Pflegeperson angewiesen, um das körperliche und seelische Gleichgewicht wieder herzustellen. In dieser engen Koexistenz zweier Organismen übernimmt die Mutter lebenserhaltende Funktionen." Mit dem Reifen des Kindes erfolgt eine differenziertere Wahrnehmung der Umwelt, so dass sich Vertrautes von Unvertrautem immer klarer abgrenzt. Zu diesem Zeitpunkt kommt es zur sogenannten Neunmonatsangst oder dem Fremdeln. Ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt findet während der Trotzphase statt, die für alle Beteiligten eine schwere Zeit darstellt. Widerstand gegen die Mutter ist kennzeichnend für diese Phase, die meistgebrauchten Worte sind "nein" oder "doch". Dazu sagte Dr. Rass: "Diese Phase ist eine äußerst positive Erscheinung, deren Ausbleiben zunächst bequem zu sein scheint, in Wirklichkeit aber Entwicklungshemmung bedeutet. Im Trotz nabelt sich das Kind weiter von der Mutter ab und gewinnt ein weiteres Stück Selbständigkeit. Es löst sich aus der engen Bindung zur Mutter. Das Kind benötigt in dieser sehr empfindlichen Zeit eine einerseits einfühlsame aber dennoch feste und sicherheitsgebende Erziehung und Lenkung, um daran zu reifen. Die Eltern müssen die Auseinandersetzungen und Ablösungstendenzen des Kindes unterstützen, auch wenn man traurig der harmonischen Kleinkindzeit hinterher sieht." Nach Dr. Rass sind in diesen ersten beiden Jahren die Mütter emotional stark beansprucht. Das Baby bzw. Kleinkind verlangt einen Großteil der Aufmerksamkeit der Mutter, es verbraucht fast ihre gesamte "Persönlichkeitssubstanz". "Die Mütter sind am Abend oder nach einer durchwachten Nacht "fix und fertig", da kann es leicht zu Problemen mit dem Partner kommen", sagte Dr. Rass. Auch bei der Familienplanung sollte man bedenken, dass ein Neugeborenes fast die gesamte Zeit und Aufmerksamkeit der Mutter beansprucht. Da für die älteren Kinder wenig Zeit bleibt, sprach sich Dr. Rass für einen Altersabstand von mindestens drei Jahren aus. Angesichts der o. g. hochsensiblen Phasen, die das Baby /Kleinkind nur in Ruhe, Geborgenheit und Einfühlsamkeit einer konstanten Pflegeperson optimal durchlaufen kann, plädierte Dr. Rass aus kinderpsychologischer Sicht dafür, dass das kleine Kind nicht allzu früh diesen Rahmen verlassen muss. "Wenn erst einmal die Trotzphase vorbei ist, ist das Kind stabiler und kommt mit einer zeitlich begrenzten außerhäuslichen Betreuung von drei bis vier Stunden gut zurecht."
Die Vortragsreihe "Familienbildung in Eberbach" wird im Frühjahr mit weiteren Vorträgen fortgesetzt.

02.12.05

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