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Vierte Kunstfreunde-Kammerkonzert - 65. Reihe

(bro) (khm) “Aut prodesse volunt aut delectare poetae / aut simul - (Sinn)belehrend wollen Poeten (d.h. die ’Macher’, d. h. also auch die Musikmacher) wirken oder (herz)erfreuend, oder sie wollen beides (geben)“. So Horaz in seiner Ars poetica (v. 333/4). Das Klarinetten-Violoncello-Klavier-Trio mit Annelien van Wauwe, Simone Drescher und Olga Drescher, preisgekrönt und vom Deutschen Musikrat gefördert, hatte beides im Sinn beim vierten Kunstfreunde-Kammerkonzert am vergangenen Freitag im evanglischen Gemeindehaus am Leopoldsplatz.

Das Programm umfasste Werke von Max Bruch und Alexander Zemlinsky und widerspiegelte belehrend eine gewisse musikhistorische Situation, in der ein älterer Musikstil zu einem Abschluss gekommen zu sein schien, und eine radikale Avantgarde mit Zwölftonmusik, Emanzipation von Dissonanz und Atonalität bevorstand. Bruch (1838-1920) und Zemlinsky (1871-1942) illustrieren in ihrer Gegensätzlichkeit etwas diese Umbruchzeit, in der Bruch unerschütterlich bei der Tradition bleibt und dabei Werke vom Feinsten schuf und in der Zemlinsky die Tonalität nicht aufgibt, aber eine erweiterte, verfeinerte Tonalität pflegt und damit avantgardistisch sein will. Beide aber lehnen die radikale musikalische Revolution ab. Da das Programm mit Einfühlsamkeit und jugendlichem Schwung vorgetragen wurde, fehlte auch die (herz)erfreuende Komponente nicht.

In der als Cello-Klavier-Duo vorgetragenen beliebten Fantasie über hebräische Bußgebetmelodien “Kol Nidrei“ op. 47. 180/1) von Bruch bewiesen die Musikerinnen gleich ihrer Fähigkeit, die von Bruch so betonte “kunstmäßige Verwerthung und Entwicklung eine gegebenen thematischen Stoffs“ vorzuführen, wie die thematischen Variationen, die kunstvollen Verzierungen des jüdischen Kantorengesangs oder den musikalisch belebteren und optimistischeren Charakter des zweiten Teils, so dass auch der erwünschte Eindruck der “schönen Bearbeitung einer schönen Melodie“ entstand.

Die fünf Sätze aus Bruchs Spätwerk “Acht Stücke“ (op. 83, 1908/9), hier für Klarinette, Cello und Klavier, waren geschickt “herzerfreuend“ ausgewählt: gemessen würdevoll (Nr.1), bewegt triolisch die Nr. 2, dann vorwärts stürmend Nr. 4, dem stimmungsvoll und gesanglich das “Nachtstück“ (Nr. 6) und als effektvoller “Rausschmeißer“ die Nr. 7 folgten. Wenn man ein Trio dieser Besetzung vor allem der Klarinette wegen – wie entsprechende Kompositionen von Mozart, Beethoven und Brahms zeigen – schon immer wegen seiner klangfarblichen Möglichkeiten (Blas-, Streich-, Tasteninstrument) als besonders reizvoll empfunden hat, so entsprach das Trio hier mit Bravour allen hierauf gesetzten Erwartungen.

Zemlinskys Klarinettentrio op. 3 (1896), dem nach der unseligen Verfemung von 1933-45 nun schon lange wieder die als einem jugendlichen Meisterwerk gebührende Beachtung zuteil wird, hatte noch wohlwollende Förderung durch Brahms (gest. 1897) erfahren. Das seinerzeit preisgekrönte Werk hatte einen der Juroren schreiben lassen, es „scheine ihm trotz des Mottos ’Beethoven’ von Brahms abhängig zu sein“. So gestaltet das Trio im besonders gewichtigen Kopfsatz auch ein typisch ’brahmsisches Kompositionsverfahren: Von einem klanglich eindrucksvollen Thema setzt sich ein betont rhythmischer und konzertant anspruchsvoller Abschnitt ab. Dann waren die Musiker wohl noch mehr als bei einem ohnehin vollen Klaviersatz Brahmsscher Art noch mehr gefordert durch besonders intensive musikalische Verarbeitung , den dichten geradezu orchestralen Satz und die massive Akkordik. Wenn Brahms zu Zemlinsky einmal übers Komponieren einmal sagte “So machte man’s von Bach bis zu mir“, so wollte Zemlinsky den Meister wohl noch übertreffen, und die Musiker des Abends hatten ein ihrem Format entsprechende Aufgabe. Den dreiteiligen Mittelsatz nutzte das Trio zur kontrastierend lieblichen Interpretation, zu dessen spätromantischer Gefühlsseligkeit in gekonnter Binnendifferenzierung eine bewegtere Mitte trat. Der Opernliebhaber Zemlinsky, später ein erfolgreicher Dirigent und Komponist in diesem Genre, wusste sicher immer um die Aufgabe eines Finales, das nach Dramatik und Lyrik einen sorgloseren, leichteren Duktus haben sollte. Ausführende und Publikum haben den Schlusssatz so gestaltet und wohl auch empfunden. Eine besonders erfreuliche Zugabe erfolgte nach dem mehrfach begeisterten Beifall im Konzert: der dritte Satz ’Andantino grazioso’ aus Brahms’ Klarinettentrio op. 114 (1891), so dass man ohrenfällig die Klangwelt des älteren Meisters und die des meisterhaften Schülers erleben und ein wenig vergleichen konnte.

15.04.14

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