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Beschwingter Rückblick des größten Vereins der Stadt


V.l. Jürgen Waibel, Bürgermeister Oliver Berthold und Klaus-Jürgen Ehret. (Foto: Thomas Wilken)

(tom) Der erste Fastnachtsprinz des Gründerjahres 1967 und der mit bisher 22 Jahren am längsten amtierende Präsident in der Ritter-Geschichte prosteten sich zu. Jürgen Waibel und Klaus-Jürgen Ehret hatten wahrlich Grund zum Feiern: Wenn ein Verein, und dann noch der größte in Hirschhorn, das halbe Jahrhundert voll macht, dann ist dies eine besondere Veranstaltung wert.

Deshalb hatte die Carnevalsgesellschaft Hirschhorner Ritter (C.G.H.R.) zum Neujahrsempfang als Start ins Jahr ihres 50-jährigen Bestehens eingeladen – auch wenn es eigentlich kein närrisches Jubiläum sei, wie Präsident Klaus-Jürgen Ehret schmunzelnd anmerkte.
Mit viel Augenzwinkern behaftet war dafür der Rückblick auf die Anfangsjahre durch Jürgen Waibel, einem der letzten noch aktiven „Zeitzeugen“, und die abschließende Diashow mit Bildern aus 50 Jahren von 1967 bis 2017, zusammengestellt von Haymo Thurnwald. Die alten Aufnahmen sorgten für viel Hallo und etliche Wiedererkennungseffekte. Für die musikalische Umrahmung sorgte Wandermusikantin Frauke Bodinus auf der chromatischen Harfe.
Das Langbein-Museum als Ort des Empfangs sei „bewusst gewählt“, so Ehret. Denn wer „gänzlich ohne Kapital und Inventar“ in einer Stadt mit einem etablierten Karnevalsverein einen zweiten gründe, „muss entweder ein gesundes Gottvertrauen besitzen oder ähnlich verrückt sein wie Carl Langbein“. Denn der hatte sein Gasthaus „Zum Naturalisten“ genannt. Damals ein unchristlicher Name, sagte der Präsident, der sogar zu einem Gerichtsprozess führte.
Wer den Großteil des Weges seit 1967 mitgegangen sei, wisse, „welche Kraft, Mühen und Ausdauer nötig waren, um den Verein dort zu platzieren, wo er heute steht“. Und derjenige wisse auch, „welcher Einsatz erforderlich ist, ein einmal gewonnenes Niveau zu halten“.

Damit die Ritter auf ihr halbes Jahrhundert kräftig anstoßen können, gibt es auch ein Jubiläumsbier mit dem Namen „Ritter 5.0“. Auf seiner Rückseite ist die „Mission“ des Vereins erläutert. Erster satzungsgemäßer Zweck war die Durchführung des Hirschhorner Fastnachtsumzugs. Seit dem Gründungsjahr stellt der Verein auch in ununterbrochener Folge das Prinzenpaar. Zur Finanzierung der kostspieligen Fastnacht wurde 1976 das Ritterfest ins Leben gerufen. Im Jubiläumsjahr zählen die Ritter über 430 Mitglieder mit mehr als 240 Aktiven.

Die Ursprünge der Faschingssitzungen gehen in Hirschhorn bis ins Jahr 1954 zurück, wusste Jürgen Waibel. Schon Anfang der 60er Jahre verliehen die vielen fastnachtlichen Aktivitäten der Neckarstadt den Beinamen „Klein-Mainz“. Für die Kampagne 1967 hatten sich die Verantwortlichen viel vorgenommen. Stadtverordneter Karl Rupp (Freie Wähler) hatte bereits am 11.11.1966 alle Vereinsvertreter zu einer Besprechung eingeladen, damit fortan jedes Jahr ein Umzug stattfinden soll. Einig war man sich der Erzählung von Waibel zufolge, dass wieder ein Prinzenpaar gesucht werden soll. Es sollte erstmals schon vor den eigentlichen Saalveranstaltungen und dem Umzug feierlich proklamiert werden, was in Gestalt von Christel Franke und Jürgen Waibel am Freien Platz vor dem Gasthaus „Zum Naturalisten“ geschah.

Nach der Gründung sollte 1968 die erste Kampagne der C.G. Hirschhorner Ritter alles Bisherige in den Schatten stellen. Verschiedene Aktionen spülten im Vorfeld 6.000 Mark in die Kasse – so viel wie nie. 1970 starteten die Ritter auf Schloss Hirschhorn in die Kampagne. 7.000 Mark standen dafür zur Verfügung. Disc-Party und drei Kindermaskenbälle mit „Onkel Jürgen“ und Uwe Belzner waren ausverkauft. 46 Zugnummern waren gemeldet. 1973 stand ganz im Zeichen der 1.200-Jahr-Feier. Das neugegründete Männerballett trat als umjubelte „Hawaiimädchen“ auf. Die Frauengruppe wurde 1975 gegründet und präsentierte mit dem „Fußballballett“ das erste tänzerische Showelement, erzählte Jürgen Waibel.

Bürgermeister Oliver Berthold, wie viele Gäste ebenfalls Ritter-Mitglied, blickte in seiner kurzen Ansprache auf die eigenen Aktivitäten im Verein zurück. Beim 22. Jubiläum stand er noch als kleiner „Otto“ in der Bütt, beim 33-jährigen Bestehen war er im Männerballett aktiv, zum 44. stand er Funkenmariechen und Prinzenpaar als „Sekretärin“ zur Seite. Die Ritter, so Berthold, „sind eine feste Größe in Hirschhorn“ und prägten das Bild der Stadt nach außen. Sie bringen mit Umzug und Ritterfest „so viele Menschen wie sonst keiner“ in die Neckartal-Gemeinde.

Zur 50. Wiederkehr des Ritter-Gründungstags am Mittwoch, 15. Februar, gibt es um 18.30 Uhr einen ökumenischen Gottesdienst in der Ersheimer Kapelle – inklusive närrischer Elemente. Gehalten wird er von Pfarrer Jörg Awischus und Diakon Dieter Klement, der auch die Idee dazu hatte. Eines darf verraten werden: Es wird auch der Narrhalla-Marsch ertönen.

02.01.17

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