Ein Praxisbeispiel gelungener Sanierung in Eberbach
 (Fotos: Gülay Keskin) (hr) (kliba) Die Eberbacher Familie Koch zeigte am Aktionstag “Gut saniert?! Ansehen!” ein gelungenes Beispiel für die Sanierung eines Alstadthauses.
Energetische Sanierung zahlt sich aus: Sie senkt Kosten, reduziert CO2-Emissionen und erhöht den Wohnkomfort. Die Sanierung eines Fachwerkhauses erfordert jedoch besondere Fachkenntnis und sorgfältige Planung, denn historische Gebäude brauchen spezielle Maßnahmen und oft traditionelle Materialien. Wie so eine Sanierung in der Praxis aussieht, welche Schritte sich bewährt haben und welche Erfahrungen Eigentümer sammeln, konnte man kürzlich in der Unteren Badstraße in Eberbach betrachten. Beim Aktionstag der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur Heidelberg - Rhein-Neckar-Kreis (KLiBA) in Kooperation mit der Stadt Eberbach öffneten die Kochs die Türen. Das im 18. Jahrhundert errichtete Haus in der Altstadt von Eberbach war lange Zeit Werkstatt und Wohnhaus von Schuhmachermeister Karl Muff. Auf eine Verkaufsanzeige im EBERBACH-CHANNEL gestoßen, haben sich die Eigentümer in das Haus verliebt und es zu einem vergleichsweise erschwinglichen Preis erworben. Über fünf bis sieben Jahre haben sie das Haus Schritt für Schritt - mit einem hohen Anteil an Eigenleistung - komplett modernisiert und zu einem zeitgemäßen, energetisch ertüchtigten Wohnhaus umgebaut.
Bei sommerlichen Temperaturen und strahlender Sonne konnten Interessierte das mit Herzblut sanierte Haus besichtigen. Bei mehreren Führungen konnten Besucherinnen und Besucher auch im recht engen Innenraum Einblicke gewinnen. “Über gut zwei Stunden hinweg waren rund 25 Personen vor Ort. Es war ein sehr anregender Nachmittag. Wir hatten Spaß daran, unsere Erfahrungen zu teilen und miteinander ins Gespräch zu kommen“, resümierte Gabi Wittemann-Koch.
Im Zuge der kompletten Sanierung erhielt das Fachwerkhaus einen modernen Grundriss. Das Dach wurde mit 12 cm Aufsparrendämmung, 16 cm Zwischensparrendämmung und 2 cm Untersparrendämmung aus Holzweichfaser und Mineralfaser gedämmt. Die Außenwände wurden von innen mit Holzfaserplatten versehen, die Kellerdecke erhielt eine Dämmung aus Tonkugeln (6 cm) plus 2,8 cm OSB-Platte und 2 cm Massivholzdiel. Fenster wurden durch neue mit dreifacher Wärmeschutzverglasung mit Holzrahmen erneuert. Der Primärenergiebedarf sank damit um mehr als 50 Prozent.
Ein Herzensanliegen der Kochs ist, dass ihre Erfahrungen andere Leute dazu inspirieren sollten, sich in ein ähnliches Abenteuer zu begeben, um ein zeitgemäßes Wohngefühl im innerstädtischen Umfeld zu schaffen. Denn das immer weiter schreitende Verwaisen in Eberbachs Altstadt verfolgen sie mit großer Sorge und wollten dieser Entwicklung entgegenwirken.
Die Altstadt bleibt aufgrund von zunehmenden Leerständen einer der brennenden Sorgenpunkte der Stadtverwaltung. Sie unterstützt seit 2023 die Fassadensanierungsmaßnahmen von Häusern und Geschäftsgebäuden der Eberbacher Altstadt. Bürgermeister Peter Reichert ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, das frisch modernisierte historische Einfamilienhaus in der Unteren Badstraße 21 zu besuchen und zeigte sich vom Ergebnis überwältigt: “Dieses Haus zeigt, wie sensibel und zeitgemäß sanierte Fachwerkhäuser die Altstadt stärken, Leerständen entgegenwirken und andere dazu inspirieren können, ähnliche Schritte zu wagen.”
Im Mittelpunkt des Aktionstags standen nicht nur allgemeine Tipps, sondern konkrete Details zur Umsetzung. „Bei einer Sanierung kommt viel handwerkliches Geschick hinzu. Die Komplettsanierung war vor allem dank eines hohen Anteils Eigenleistung möglich“, betonte Rüdiger Koch. Die Familie übernahm selbst größere Arbeiten wie den Abriss einzelner Wände, Verputzen, Dämmen und das Neugestaltung von Wänden und Böden.
Vor dem und im gastfreundlichen Haus gab es regen Austausch: Die KliBA-Energieberaterin Mara Muth führte Gespräche zur aktuellen Rechtslage und zu Fördermöglichkeiten. Für jedes Haus gibt es individuelle Lösungen - unabhängig davon, ob es denkmalgeschützt oder aus den 1950er bis 1980er Jahren stammt. Alle Gebäudesteckbriefe der beteiligten Häuser gibt es im Internet (Link s.u.).
Infos im Internet: www.kliba-heidelberg.de
03.10.26
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